Isabelles blog

Wie ich wurde, was ich bin

Zauberhafter Anfang

Ich erinnere mich noch gut an diesen 20. Oktober, an dem ich diesen einen Text ins Internet gestellt hatte, in der vagen Hoffnung, eine Diskussion loszutreten. Und die Diskussion folgte, mehr oder weniger, aber natürlich entwickelte sie sich anders, als ich erwartet hatte. Der Impuls für diesen Text war mir nicht bewusst.

Was immer in meinem Unterbewusstsein zu diesem Zeitpunkt vorgegangen sein mag, was in mein Bewusstsein sickerte, war meine unbefriedigende und unbefriedigte Existenz. Ich will nicht behaupten, dass mir zum damaligen Zeitpunkt bewusst gewesen wäre, dass ich sowohl emotional als auch sexuell absolut ausgehungert war. Ebenso wenig war mir bewusst, dass ich mich in einen Strudel der Lust begeben würde, der mich immer tiefer in die Abgründe meiner sexuellen Präferenzen zog, so tief, wie ich es von mir selbst nicht ansatzweise erwartet hätte. Hatte ich doch bis dahin nie irgendjemandem meine Wünsche und Vorstellungen anvertraut, und das war auch jetzt nicht meine Absicht – mal abgesehen von mehr oder eher weniger phantasievollen Erzählungen, die ich anonym im Internet veröffentlichte, um mich selbst daran zu erfreuen, sowohl mental als auch körperlich.

Die Reaktionen meiner Leser, ihre Kommentare, erfreuten mich, gaben sie mir doch zumindest das Gefühl, nicht allein zu sein mit meinen bizarren Gedanken. Ich fühlte mich zugehörig zu einer Gruppe von Menschen, die ähnlich fühlten wie ich, und ich konnte dennoch durch die Anonymität des Internets mein Geheimnis wahren. Und so sollte es auch bleiben.

Doch dann kamst Du. Dein erster Kommentar auf meinen provokativen Text zog mich in Deinen Bann. Ich suchte und fand Deine Texte, erregend und schaurig schön. Ich spürte vom ersten Augenblick an eine unkontrollierte Lust, Deine Phantasien zu bedienen, Objekt Deiner Lust zu sein, und damit meine eigene Lust zu befeuern. Es war mir nicht bewusst, es fand schließlich nicht in meinem Verstand statt, sondern in meinem Schoß. Vaginagesteuert sozusagen, als Pendant zum schwanzgesteuerten Mann. Geht also auch.

Einige wenige Kommentare später wechselten wir ins Private. Emailaustausch fortan, der erste Schritt aus der Anonymität zur Offenbarung meiner intimsten Gedanken an eine real existierende Person. Nicht länger die verborgenen Wünsche meiner unterdrückten Sexualität, gleich einem Vulkanausbruch wurde meine Lust befreit.

„Spiel mit mir!“ Habe ich das wirklich gesagt? Diese Aufforderung war sicherlich nicht meinem Verstand entsprungen. Ohne die Konsequenzen zu überdenken habe ich Dich herausgefordert, und Du hast die Herausforderung angenommen. Mein Verstand hat mich durchaus gewarnt, aber die Warnungen waren zu leise. Meine über Jahrzehnte gut funktionierende Mauer hatte einen Riss bekommen. Du hast meine Hingabe gefordert und ich war nur allzu bereit, mich Dir hinzugeben. Rein virtuell natürlich. Zu einer persönlichen Begegnung wäre ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit gewesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert